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Weser-Kurier: „Frauen in Salafisten-Szene: Grüne wollen von Innenbehörde Klarheit“

Frauen spielen in der Debatte um Salafismus bisher eine untergeordnete Rolle. Dabei geht auch von ihnen eine Gefahr aus, wie aus einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervorgeht.

Frauen spielen in der politischen Debatte um Salafismus und Daesch-Rückkehrer bisher eine eher untergeordnete Rolle. Dabei geht auch von ihnen eine Gefahr aus, wie aus einer aktuellen Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervorgeht, die am Dienstag Thema im Senat sein wird. Bei den Grünen sorgt die Vorlage schon vorab für Unmut.

„Die Innenbehörde drückt sich um eine klare Einschätzung zu der aktuellen Situation in Bremen“, sagt der innenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Björn Fecker. Dabei sei eine solche Beurteilung gerade für Bremen entscheidend. Das Bundesland gilt als Hochburg für Salafisten. Derzeit werden im Land Bremen 490 Personen der salafistischen Szene zugerechnet – die Dunkelziffer ist nach Angaben der Innenbehörde noch höher. Etwa zehn Prozent davon sind weiblich, heißt es in dem Bericht, der dem WESER-KURIER vorliegt.

Der überwiegende Fokus der Beobachtung liege jedoch auf dem gewaltorientierten Spektrum, welches vor allem männlich dominiert sei. Der Großteil der in Bremen erfassten Frauen habe die deutsche Staatsangehörigkeit und ist zwischen 20 und 40 Jahre alt. Unter den insgesamt 30 aus Bremen in Richtung Syrien und Irak ausgereisten Personen sind laut Behörde elf Frauen – zwei Personen davon würden bereits wieder in Bremen wohnen.

In der Vorlage wird deutlich, wie sehr sich die Aufgaben der Frauen in der Szene zuletzt verändert haben. So bestand ihre Funktion in der Vergangenheit vor allem darin, die Rolle der Mutter, Ehefrau und Unterstützerin wahrzunehmen, die Kinder gebärt und sie im Sinne der Ideologie erzieht. Wie Untersuchungen zeigen, sind in der jüngeren Zeit jedoch weitere Tätigkeitsfelder dazugekommen.

Mittlerweile seien es häufig die Frauen, die im Anwerbungsprozess um neue Mitglieder aktiv werden. Die Ansprache erfolgt laut Bericht vor allem über das Internet – über Facebook, Instagram und den Nachrichten-Dienst Telegram. Gelockt würde mit Angeboten, deren extremistischer Hintergrund nicht sofort offensichtlich erscheint.

Es fange mit Bild-Text-Beiträgen an, die Sprüche oder religiöse Zitate enthalten. Gefährdet seien vor allem Männer und Frauen, deren Leben durch Krisen oder Erfahrungen des Scheiterns geprägt ist. Sie suchen im Salafismus nach einer Ersatzfamilie. Von der ultrakonservativen Strömung erhoffen sie sich laut Studien eine klare Identität und einfache Antworten auf komplexe Fragen.

Ein Zugehörigkeitsgefühl nach kurzer Zeit

Frauen würden in diesem Prozess bevorzugt eingesetzt werden, weil man ihnen das nötige emotionale Einfühlungsvermögen zutraue. So sprechen sie Sympathisantinnen als „Schwester“ an und lösen so bereits nach kurzer Zeit ein Zugehörigkeitsgefühl aus. Doch bei diesen Aufgaben bleibt es nicht. So existieren Propagandabilder der Terrororganisation Daesch, die bewaffnete Frauen zeigen.

Außerdem ist bekannt, dass einige von ihnen Selbstmordattentate begangen haben. Deshalb plant der Generalbundesanwalt eine schärfere Strafverfolgung dieser Anhängerinnen. Die Entscheidung darüber, ob eine solche Strafverfolgung zulässig sein wird, liegt aktuell beim Bundesgerichtshof. In Bremen gibt es mehrere Beratungsstellen, die sich mit der Thematik auseinandersetzen.

So wurde das Demokratiezentrum um eine Koordinierungstelle erweitert, die Angebote auf den Weg bringen und Fachkräfte miteinander vernetzen soll. Seit 2017 gibt es das Angebot „Kitab“ des Vereins zur Förderung akzeptierender Jugendarbeit, das sich mit demokratiefeindlichem und gewaltbereitem Islamismus beschäftigt. In Einzelfällen würden zudem die regionalen Beratungs- und Unterstützungszentren an Schulen Anfragen zum Umgang mit Schülerinnen erhalten, die sich möglicherweise zum Extremismus hinwenden.

Für die Grünen-Fraktion ist das jetzige Angebot nicht differenziert genug. „Es gibt zwar eine Vielzahl von Programmen, aber keines davon ist speziell auf Mädchen und Frauen zugeschnitten. Da muss zwingend geprüft werden, ob man die Frauen auf diese Weise wirklich erreichen kann oder man spezielle Beratungsangebote braucht“, fordert Björn Fecker.

Zu knapp fällt den Grünen auch die Antwort auf die Integration möglicher Rückkehrerinnen aus. Wie aus dem Bericht hervorgeht, liegen dem Landeskriminalamt Hinweise zu möglichen Rückkehrinnen vor. Die Herausforderung bestehe vor allem auch in der Integration der Kinder dieser Frauen. „Diese Familien müssen ganz engmaschig betreut werden“, so Fecker weiter.

„Bei dem kleinsten Anzeichen von Radikalisierung muss das Jugendamt eingeschaltet werden.“ Das Landesamt für Verfassungsschutz hat zu dieser Problematik bereits ein Sensibilisierungsschreiben entworfen und an die entsprechenden Behörden weitergeleitet. Darin steht unter anderem, dass es neue Konzepte für den Umgang mit Jugendlichen braucht, die aufgrund von extremistischen Beeinflussungen Straftaten begehen.

Autor: Kristin Hermann
Der Link zum Medienbericht des Weser-Kuriers.

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