Ehrenamt

Wir sind die Mehrheit!

Begrüßungsrede des BFV-Präsidenten Björn Fecker anlässlich der Integrationspreisverleihung des Bremer Fußball-Verbandes. Es gilt das gesprochene Wort.

„Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Sportfreundinnen und Sportfreunde,
sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,

wo stünde dieses Land, wenn nicht unsere Sportvereine im Allgemeinen und gerade die Fußballer im Speziellen die Türen ihrer Sportheime und Umkleidekabinen geöffnet hätten und die vielen Flüchtlinge, die neu in unser Land gekommen waren, aufgenommen hätten. In Nullkommanichts wurden offene Angebote organisiert,
Schuhsammlungen veranstaltet und Trainingsbekleidung gespendet.
Die Belegung der Sporthallen und damit der Ausfall wichtiger Trainingszeiten und ganzer Wettbewerbe wurde – vielleicht mit einem Murren – aber letzten Endes aus Solidarität zu den Menschen mitgetragen. „Wir schaffen das“ war nicht nur die Botschaft der Bundeskanzlerin, sondern auch die Leitlinie vieler Vereine. Während sich andere in Europa vor ihrer Verantwortung drückten, bekannte dieses Land Farbe für die Werte von Humanität und Nächstenliebe.

Heute aber hat sich unser Land verändert. Wer sich heute für Zugewanderte und eine gelingende Integration engagiert, wird öffentlich als „Gutmensch“ oder „Willkommensklatscher“ bezeichnet. Ganz sicher sind in Zeiten, in denen ein so ordnungsliebendes Land wie das unsere erleben musste, dass wir nicht mehr genau wussten, wer überhaupt hier bei uns ist, auch Fehler gemacht worden.

Und nicht alle Neuankömmlinge können sich mit den Grundwerten unserer freien und liberalen Gesellschaft anfreunden. Integration ist eben kein Schnellschuss, Integration erinnert da eher an einen Marathon. Dranbleiben und eben nicht aufgeben, wenn es anfängt weh zu tun.

Sich in diesen Zeiten weiter zu engagieren, auch womöglich vereinzelten Sportfreunden im eigenen Verein die Stirn zu bieten und sich gegen den Alltagsrassismus zu stellen, das verdient Respekt und Anerkennung. Es ist unsere Aufgabe, gemeinsam all jene zu unterstützen, die sich für die Integration von Geflüchteten, aber auch
Menschen mit Behinderungen einsetzen und rassistischen, fremdenfeindlichen, homophoben Umtrieben klar entgegenzutreten. Ich bin der festen Überzeugung, dass nicht diejenigen, die für sich reklamieren, sie seien das Volk, die Mehrheit sind. Sondern wir, die wie wir im Fußball schon seit jeher Integration leisten, nicht schauen,
wer woher kommt, sondern was jemand kann, wir, die aus mehr als 11 Individuen mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen eine Mannschaft, ein Team formen, wir sind die Mehrheit und alles andere ist eben keine Alternative für unser Land.

Aus diesem Grund bin ich Euch allen für Euer Engagement sehr dankbar und froh darüber. Es freut mich auch, dass wir mit Cacau heute den Integrationsbeauftragten des DFB bei uns haben. Ich habe das Glück, gemeinsam mit Dir auf DFB-Ebene zusammenzuarbeiten und empfinde Deine Anwesenheit daher als große Wertschätzung für
uns und unsere Vereine. Mein Dank geht an die Handelskammer Bremen vertreten durch Herrn Orb, die uns diese tollen Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hat, und mein Dank gilt natürlich ebenso dem SV Werder in Person seines Präsidenten Hubertus Hess-Grunewald. Wie selbstverständlich hat sich der SV Werder auch in diesem Jahr wieder bereit erklärt, sich mit der Hälfte der Preissumme zu beteiligen. Ein schönes Zeichen in Zeiten, in denen an anderen Standorten Profi- und Amateurfußball weiter auseinanderdriften.

Ich wünsche uns allen einen schönen und interessanten Abend.“

 

Antworten